Checkliste für dein Auslandssemester

Studieren im Ausland: Alles, was du wissen musst!

Checkliste für dein Auslandssemester

Studieren im Ausland? Klar. Wenn nur nicht so viel zu organisieren wäre. Hier erfährst du, welche Schritte nötig sind und woran du denken musst, bevor es losgeht. Egal, ob dich dein Auslandssemester nach Spanien, Frankreich oder in die USA führt. 

 

1 ½ bis 1 Jahr vorher

Wohin soll ich gehen? Einen Studienplatz fürs Auslandssemester finden

Zuerst musst du entscheiden, ob du nur für ein oder zwei Semester ins Ausland gehen möchtest, oder für das gesamte Studium. Für einen kürzeren Auslandsaufenthalt ist die eigene Hochschule der erste Ansprechpartner, für ein ganzes Studium sollte man sich direkt an die Auslandsunis wenden, für die man sich interessiert. Fast alle deutschen Hochschulen haben Partner im Ausland, mit denen die einzelnen Fachbereiche im ERASMUS+-Programm kooperieren. Über 40.000 deutsche Studierende nehmen pro Jahr daran teil. Zu dem Erasmus+ -Partnerländern gehören alle 28 EU-Staaten sowie Island, Liechtenstein, Norwegen, Türkei und Mazedonien. Die beliebtesten Gastländer für deutsche Studierende sind allerdings Spanien, Frankreich und Großbritannien. Davon abgesehen studieren die meisten Deutschen in den Nachbarländern Österreich, den Niederlanden und der Schweiz. „Will man sein Studium nahtlos fortsetzen, sollte man an eine englischsprachige Universität gehen“, sagt Nina Karidio aus dem International Office der Uni Münster. „Das muss aber nicht England sein: Auch Slowenien oder Estland haben sehr gute Hochschulen mit vielen englischsprachigen Veranstaltungen“.

Wie fange ich an? Das Auslandssemester planen

Infos über ERASMUS+ bekommst du beim ERASMUS+-Koordinator deines Fachbereichs. „Mit ihm sollte man sich gut absprechen, damit es hinterher keine Probleme bei der Anerkennung der Seminare gibt“, sagt Simone Fröhlich vom International Office der TU München. „Es geht aber auch darum, neue Schwerpunkte zu setzen oder etwas zu belegen, dass an der Heimatuni nicht angeboten wird. Selbst, wenn man es sich dann nicht anrechnen lassen kann.“ Über die Vorlesungen der Wunschhochschule im Ausland kann man sich im Internet informieren. „Unbedingt darauf achten, ob sie auch im kommenden Semester angeboten werden“, sagt Karidio. Meist ist das Angebot im Wintersemester größer als im Sommersemester. Wenn man dagegen das Land bereisen und seine Sprachkenntnisse verbessern will, eignet sich der Sommer besser. Da alle ERASMUS+-Teilnehmer nach ihrem Aufenthalt einen Bericht schreiben müssen, erfährt man so, was man noch über Hochschule und Stadt wissen muss. Wenn man an eine Uni will, die kein Partner der eigenen Hochschule ist, kann man als Freemover gehen. Das heißt, man organisiert sich seinen Auslandsaufenthalt selbst, zum Beispiel mithilfe des International Office der Wunschuni. Unterstützung bieten auch Auslandsagenturen der jeweiligen Länder, wie zum Beispiel „GOstralia!“ für Australien.  

 

12 bis 6 Monate vorher

Wie bezahl ich's? Finanzierung des Auslandssemesters

„Für Stipendien muss man sich eher bewerben als für die Uni selbst“, sagt Nina karidio. Beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) zum Beispiel mindestens ein Jahr vorher. Der DAAD vergibt mehrere Tausend Stipendien pro Jahr. In seiner Datenbank findet man sowohl Stipendien für bestimmte Fachrichtungen und Länder, als auch solche, für die sich alle bewerben können. Für die USA vergibt die Fulbright-Kommission Jahresstipendien mit bis zu 34.500 US-Dollar und einigen Extras wie Reisekosten und Versicherung. Noch mehr Stipendien findest du auf mystipendium.de oder stipendienlotse.de. Auslands-BAföG musst du mindestens sechs Monate vor dem Aufenthalt beantragen. Je nach Zielland ist ein anderes Amt zuständig. Wer zum Beispiel nach Frankreich will, wendet sich an das Amt in Mainz-Bingen, für ein Studium in Italien ist das Amt in Berlin-Charlottenburg zuständig. Auslands-BAföG wird in EU-Ländern und der Schweiz für sechs Monate bis zu einem komplettes Studium gezahlt, außerhalb meist nur für zwei Semester. Als ERASMUS+-Student bekommst du unabhängig davon noch einen Zuschuss von 150 bis 300 Euro pro Monat, je nach Zielland und Uni.

In Europa müssen deutsche Studenten meist keine Studiengebühren zahlen, oder zumindest nicht mehr als Einheimische. In den Niederlanden sind das etwa 1.900 Euro pro Jahr, wenn man nicht ohnehin mit einem Programm wie Erasmus+ geht, das die Gebühren übernimmt. Mit durchschnittlich 15.000 Euro sind die Gebühren in den USA und Australien am teuersten.

Im monatlichen Budget ist die Miete der größte Posten. Wie hoch sie im Auslandssemester wird, hängt vor allem davon ab, ob man in eine Großstadt geht oder nicht. Auf der Website des DAAD findest du unter Länderinformationen/Leben vor Ort einen Richtwert für die Mietkosten und Lebensunterhalt.

Für weit entfernte Länder kommen höhere Reisekosten hinzu. Besonders, wenn man länger dort studieren will und zwischendrin noch einmal nach Hause fliegt. Rechnen muss man also: Studiengebühren + Miete + Lebensunterhalt + Reisekosten. In Slowenien kommt man mit etwa 630 Euro pro Monat zurecht, in den USA können es 2.000 Euro pro Monat sein.

 

6 bis 4 Monate vorher

Wie komme ich hin? Die Reise ins Auslandssemester

Wenn der Auslandsaufenthalt vorgeschrieben ist, muss man sich an der eigenen Hochschule nicht beurlauben lassen. Andernfalls kann es sich lohnen, zum Beispiel für Juristen, die sonst ihren Freischuss verlieren. Wenn man beurlaubt ist, muss man weniger Semesterbeitrag zahlen und die Zeit im Ausland wird nicht auf die Fachsemester angerechnet. Ein Visum braucht man für die USA, für Kanada, Australien, Neuseeland und Asien. Du bekommst es beim Konsulat des entsprechenden Landes. Beantragen kann man es dort auch online. Ein Visum zu bekommen, dauert durchschnittlich vier Wochen und kostet zwischen 115 und 160 Euro. Meist muss man die Zusage der Gasthochschule vorlegen. Wenn man länger als sechs Monate im Ausland studieren will, verlangt zum Beispiel Kanada einen Nachweis, dass man genügend Geld hat. Auch um Impfungen sollte man sich früh kümmern, denn gegen Hepatitis A muss man sich zweimal innerhalb von sechs Monaten impfen lassen. Notwendig sind spezielle Impfungen allerdings nur für afrikanische oder asiatische Länder. Das Auswärtigen Amtes schreibt für jedes Land aktuelle Empfehlungen aus. Auch den Flug solltest du früh buchen, denn je eher du buchst, desto billiger wird es.

 

4 Monate vorher

Bin ich sprachlich fit? Sprachkurse und -tests fürs Auslandssemester

Fast alle deutschen Unis haben ein Sprachenzentrum mit Kursen von A1 für Anfänger bis C2 für Fortgeschrittene. In der Regel brauchst du B1. In Englisch haben die meisten diesen Standard bereits mit dem Abitur erreicht. Oft werden auch Intensivkursen in der vorlesungsfreien Zeit oder Blended Learning-Kurse mit hohem Selbstlernanteil angeboten. Der DAAD bietet auch Intensiv-Sprachkurse für seltene Sprachen im Ausland an. Manche Hochschulen verlangen als Nachweis für Sprachkenntnisse einen bestimmten TOEFL-Wert. Die TOEFL werden regelmäßig in ganz Deutschland durchgeführt, teilzunehmen kostet etwa 220 Euro. „Wenn man im Ausland einen Abschluss machen will, sind die Sprachkenntnisse besonders wichtig“, sagt Nina Karidio. „Dann muss man in der Regel auch mehr Nachweise bringen.“

 

3 Monate vorher

Wie werde ich studieren und leben? Unterkunft und Stundenplan organisieren

Erasmus+-Studierende müssen in einem Learning Agreement angeben, welche Vorlesungen und Seminare sie besuchen wollen. Fertig unterschrieben sein muss das Learning Agreement erst vier Wochen vor dem Auslandsaufenthalt. Da man aber mehrere Unterschritten benötigt, solltest du frühzeitig damit anfangen. Wegen einer Unterkunft kannst du ehemalige Auslandsstudenten nach Tipps fragen. Auch das International Office der Auslandsuni hilft. Oder du schaust bei wg-gesucht.de oder Airbnb vorbei. Außerdem hat jedes Land eigene Websites, Spanien zum Beispiel pisocompartido.es, easypiso.es, oder loquo.es. Bei dem International Office der Auslands-Uni kannst du dich nach Wohnheimplätzen erkundigen. „In Spanien wird es auf jeden Fall mit einem WG-Platz klappen, weil dort sehr viele in WGs wohnen. In Frankreich gibt es dagegen so gut wie keine. Dort sollte man sich ein Wohnheimzimmer nehmen – das gilt generell auch für kürzere Aufenthalte“, sagt Nina Karidio. „Je länger man bleibt, desto mehr Chancen hat man auf dem privaten Wohnungsmarkt.“ Wer in Deutschland eine Wohnung hat, sollte jetzt den Mietvertrag kündigen oder beim Vermieter nachfragen, ob er untervermieten darf. Für Länder wie Australien oder die USA braucht man einen aktuellen Reisepass, der auch über den Aufenthalt hinaus gültig sein muss, und wenn man dort Autofahren will auch einen internationalen Führerschein. Beides bekommt man beim Bürgerbüro der Heimatstadt. Der Reisepass kostet rund 60 Euro, der Führerschein etwa 15 Euro.

 

4 Wochen vorher

An alles gedacht? Letzte To-dos vor der Abreise ins Ausland

WG-Zimmer aufgeben oder einen Untermieter suchen, Abos kündigen oder aussetzen. Beim Telefonanbieter kann man einen Auslandstarif buchen. Billiger ist es aber meist, sich im Gastland ein Prepaid-Karte zu kaufen und nach Deutschland zu skypen. Eventuell eine Kreditkarte besorgen, mit der man im Ausland kostenlos Geld abheben kann. „Passfotos, eine internationale Geburtsurkunde und alle wichtigen Uni-Unterlagen in Kopie sollte man mitnehmen. Man weiß nicht, was man vor Ort noch braucht“, sagt Karidio. Auch immens wichtig: Eine Auslandskrankenversicherung abschließen, idealerweise auch eine Haftpflicht- und Unfallversicherung speziell fürs Ausland.

Das muss ins Reisegepäck:

  • Personalausweis/Reisepass
  • Krankenkassenkarte
  • Kreditkarte
  • Versicherungsunterlagen
  • Internationaler Führerschein (außerhalb der EU)
  • (Internationale) beglaubigte Kopie der Geburtsurkunde
  • Studentenvisum
  • Studienbescheinigung der eigenen Hochschule
  • Learning Agreement
  • Ergebnis TOEFL-Test/ Sprachkursbescheinigungen
  • Passfotos

 

Die erste Uni-Woche deines Auslandsemesters

Die Einführungswoche besuchen! „In der Welcome-Woche wird man gut abgeholt“, sagt Simone Fröhlich. Dabei lernst du gleich andere Studierende kennen. Auch für Uni-Sport oder andere Freizeit-Kurse solltest du dich anmelden, damit du möglichst schnell Kontakte knüpfst. Vielleicht gibt es vor Ort auch eine Gruppe für Auslandsstudenten. Und natürlich: Auf Erasmuspartys gehen!