Die Shoppingprofis

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Trainee-

programme im Einkauf

Foto: Peek & Cloppenburg

Die Shoppingprofis

Einkäufer sorgen dafür, dass Regale und Kleiderstangen immer gut gefüllt sind. Ob Lebensmittelhandel oder Modebranche: Der ideale Weg zum berufsmäßigen Shoppen führt über das Traineeprogramm

Vincent Schröders Arbeitstag beginnt nicht selten kulinarisch. Eine neue Sorte Käse, Wurst oder Jogurt wartet auf ihre Markteiführung – und will verkostet werden. Wie ist die Konsistenz? Wie die Farbe? Was sagt die Zutatenliste? Schmeckt das Produkt? Und vor allem: Wird es den Kunden munden? Sind sich Schröder und seine Kollegen einig und fällen das Urteil „Test bestanden“, wird alles vorbereitet, damit der leckere Newcomer schon bald seinen Weg in das Sortiment der über 11.000 EDEKA-Märkte finden kann. Heißt: Erstes Angebot beim Lieferanten einholen, das Interesse bei den Vertretern der regionalen EDEKA-Großhandlungen abklopfen, Preise und Konditionen verhandeln, mit der Qualitätssicherung die genaue Zusammensetzung des Artikels besprechen, mit dem Marketing ein Verpackungslayout und Vermarktungsstrategien entwickeln. Ist der Prozess abgeschlossen, wird das Produkt gelistet, und kann von den Regionen, die sich dafür entschieden haben, beim Lieferanten bezogen werden. Denn EDEKA ist ein genossenschaftlich organisierter Unternehmensverbund mit rund 3.700 selbstständigen Kaufleuten in ganz Deutschland. Sie entscheiden, ob ein neuer Artikel in ihr Sortiment wandert und dort die Chance bekommt, sich im Regal zu beweisen. „Sie kennen ihre Kunden und deren Bedürfnisse schließlich am besten“, so Schröder.

Neue Trends und Innovationen

Lebensmittel sind die Leidenschaft des 29-Jährigen. Nicht nur beruflich. Auch privat kocht er sich gern durch die verschiedenen Küchen der Welt und verfolgt Food-Trends von Nachhaltigkeit bis vegetarische und vegane Alternativen. Der erste Kontakt zu seinem heutigen Arbeitgeber kam über ein Praktikum in der EDEKA-Zentrale in Hamburg; heute – nach seinem Studium der Nachhaltigen Dienstleistungs- und Ernährungswirtschaft an der FH Münster – absolviert er dort ein Traineeprogramm mit Schwerpunkt Einkauf Food/Nonfood. „Der Handel ist eine schnelllebige, dynamische Branche, die einem ständigen Wandel unterliegt“, sagt Schröder. „Vor allem der Einkauf ist ein unheimlich vielseitiger Bereich. Man beschäftigt sich stets mit den neuesten Trends und Innovationen, muss im Wettbewerb immer einem Schritt voraus sein. Das finde ich super spannend!“

Julia Lemperle geht es da genauso. Die 28-Jährige arbeitet als Trainee im Einkauf bei einem Modeunternehmen – der Peek & Cloppenburg KG, Düsseldorf. „Mein Blick auf die Warenwelt hat sich durch meine tägliche Arbeit sehr verändert“, sagt sie. „Es ist faszinierend, wie viele Stationen ein Artikel durchläuft, bevor er in den Verkaufshäusern präsentiert und verkauft wird.“

Was Lemperle besonders am Konzept des Traineeprogramms schätze, sei der spannende Mix aus Theorie und Praxis. Bis vor Kurzem durchlief sie noch die Verkaufsphase, lernte dabei, wie „der Laden läuft“. Wie geht man mit Kunden um? Welche Waren gibt es? Und wie präsentiert man diese, um immer neue Einkaufserlebnisse zu schaffen? Das Kerngeschäft ganz praktisch „on the job“, untermauert durch Seminare zu Warenkunde, Verkaufskompetenzen und Visual Merchandising sowie Management-Trainings.

Unterwegs in Showrooms und auf Modemessen

Foto: Peek & Cloppenburg

Foto: Peek & Cloppenburg

Seit gut drei Monaten arbeitet Lemperle nun im Einkauf, hinter den Kulissen der Warenwelt aus Blusen, Hosen und Kleidern, die genauso bunt und vielfältig ist, wie die Aufgaben der Berufseinsteigerin. „Ich setze mich intensiv mit der kommenden Saison auseinander und beschäftige mich mit neuen Trends“, erklärt sie. Düsseldorf als deutscher Modestandort bietet dabei viele Vorteile: Die Wege zu Lieferanten sind kurz, Kollektionen können direkt in den Showrooms begutachtet werden. „Um die neuesten modischen Trends zu scouten, besuchen Einkäufer zudem wichtige nationale und internationale Modemessen, zum Beispiel in Mailand, Paris oder Kopenhagen“, so Lemperle. Darüber hinaus liefert ein weltweites Trendscout-Netzwerk Anregungen, welche Styles und Farben für Blusen, Hosen, Kleider & Co. in Zukunft angesagt sein werden. Aus all diesen Eindrücken stellen die Mitarbeiter des Einkaufsressorts dann das neue Sortiment zusammen. Welche Farbthemen passen gut zusammen? Wie konzipiert man die Stilwelten möglichst spannend? Und welche Teile sind modische Highlights, die auf der Verkaufsfläche sowie in der Werbung besonders hervorgehoben werden? Natürlich gehören auch viele Zahlen zu ihrem Job. Einkäufer müssen aktuelle Kennzahlen wie die Abverkaufsquote stets im Blick haben.

„Für eine Karriere bei uns im Einkauf sind analytisches Denken, eine hohe Zahlenaffinität, Stilempfinden und ein gutes Gespür für Mode und Trends unabdingbar“, sagt Hanna Naumann, Ressortleiterin HR Einkauf bei Peek & Cloppenburg. „Das A und O ist allerdings die Leidenschaft für die Branche – wer nicht für den Handel ‚brennt‘, wird dies schnell merken.“

 

Kein klassisches Bewerber-Profil

Vincent Schröder absolviert bei Edeka ein Traineeprogramm mit Schwerpunkt Einkauf Food/Nonfood. Foto: Edeka

Vincent Schröder absolviert bei Edeka ein Traineeprogramm mit Schwerpunkt Einkauf Food/Nonfood. Foto: Edeka

Vincent Schröder hat da bisher keinerlei Zweifel. Aktuell arbeitet er im Bereich „Getränke Eigenmarke“, ist unter anderem in die Verhandlung mit Bier-Lieferanten eingebunden, erstellt auf Basis von Marktforschungs- und internen Daten Sortimentsanalysen, plant Werbemaßnahmen, gibt Empfehlungen ab, wie Produkte idealerweise im Regal platziert werden und welche eventuell das Sortiment verlassen sollten. Während des 18-monatigen Traineeprogramms durchläuft er drei Warenbereiche und darf zudem in eine Schnittstellenfunktion hineinschnuppern, zum Beispiel ins Marketing oder in die Logistik.

 

Foto: Edeka

Foto: Edeka

Ein klassisches Bewerber-Profil für den Einkauf gebe es übrigens nicht, sagt Melanie Neumahr, Referentin Personalentwicklung. „‚Einkauf‘ ist kein eigener Studiengang. Daher sind wir auch offen für Absolventen mit zum Beispiel Marketing-Schwerpunkt oder aus dem Bereich Supply Chain Management, die bereits praktische Erfahrungen im Einkauf gesammelt haben. Und: Wir suchen Persönlichkeiten, die durchsetzungsstark und emphatisch sind, die über den Tellerrand hinaus auch relevante Schnittstellen im Blick haben.“

Die Chancen, nach dem Traineeprogramm weiter im Unternehmen als „Shoppingprofi“ Karriere zu machen, stehen für Julia Lemperle wie Vincent Schröder mehr als gut. Und wer weiß: Vielleicht greifen wir einmal nach einer Bonbonpackung oder einem Mantel, für die sie den Weg ins Regal oder auf den Kleiderbügel geebnet haben.